4 Boys Named Sue

4BoysNamedSue

4BoysNamedSue“ sind vier Musiker, die eines gemeinsam haben: sie hatten mit Johnny Cash nie etwas am Hut, bis: sie seine Platten hörten.

Und so beschlossen sie, in einer kalten, oft unbarmherzigen Welt jene Botschaft des großen, alten Mannes der Country Music zu verbreiten, die da heißt:

what is country?- three chords and the truth“

Dabei verwenden sie durchaus mehr als drei Akkorde und bedienen sich, getreu ihrem Vorbild, bei anderen Musikrichtungen und anderen Interpreten.

Ob erdiger Countrysound, Boom-Chicka-Boom, emotionale Balladen oder dampfender Rockabilly, die vier „Boys“ spielen bekannte und weniger bekannte Songs aus einer spannenden Ära der Musikgeschichte nicht einfach nach, sondern suchen in den jeweiligen Songs respektvoll, aber entschieden, das Besondere.

This is Country not only for old men.

Thomas Anzenhofer git, voc, harp

Rainer Vollmer git, banjo

Christoph Kammer bass, mand., singing saw

Tarik Dosdogru dr, bass

Das wahre Country-Feeling

… Der Schauspieler und Sänger Thomas Anzenhofer hat vor zehn Jahren am Schauspielhaus Bochum den berühmten Countrystar so kongenial dargestellt, dass er zum Johnny Cash von Bochum avancierte. In Langenberg hatte er mit seinem Drummer Tarik Dosdogru, der auch mal den Bass bedient, Rainer Vollmer an Gitarre und Banjo sowie Christoph Kammer an Kontrabass, Mandoline und singender Säge mit allen Wassern gewaschene Bühnenmusiker an seiner Seite.

Die Band „4 Boys Named Sue“ feuern zunächst gekonnt einen Cash-Hit nach dem anderen ab, haben dann allerdings auch Titel von Cody Jinx oder Don Walker sowie zahlreiche Traditionals im Stile der Blues Brothers auf der Pfanne. Obwohl sie sich selbst als Spätberufene der American Style Countrymusik sehen, ist das Feuer wohl umso heftiger in sie gefahren.

Der ganze Sound zwischen Country, Rhythm ‘n’ Blues bis traditionellem Bluegrass verbreitet nach und nach die staubige Atmosphäre des amerikanischen Westens, und man fühlt sich in einen verrauchten Trucker-Club an der Route 66 versetzt. Dieses Lebensgefühl transportieren die Musiker mit authentischen Arrangements von der Bühne in den zur Freude der Veranstalter vollbesetzten Saal.

Während vorne andächtig gelauscht und dann warm und jubelnd applaudiert wird, lassen sich hinter den Sitzreihen einige vom Rhythmus der schnellen Nummern anstecken und tanzen.

Bei einem der späteren Songs von Cash, „Personal Jesus“, feiert Anzenhofers Interpretation dann quasi dessen leibhaftige Wiederauferstehung. Auf alle Fälle stimmlich zum Greifen nah dran am Original. Die Band bedient mit konzentrierter Coolness das Genre, bis plötzlich der Spaß ausbricht, als Drummer Dosdogru mit Donald-Trump-Maske die satirische und selbstironische Seite der Musiker einläutet. Und Anzenhofer dreht im Laufe der Show immer mehr auf.

Die Zuschauer im kochenden Alldie-Kunsthaus sind mehr als zufrieden mit der Johnny-Cash-Show, die als Ableger der erfolgreichen Tribute-Show des Bochumer Schauspielhauses begonnen hat. Sie holt im Repertoire jedoch inzwischen weiter aus und vermittelt die gesamte Bandbreite und das große Gefühl von traditioneller bis alternativer Countrymusik. Alles in allem bleibt diese auch eindeutig der King des Abends: „three chords and the truth“. Wahrheit, Frieden, Liebe – diese Botschaften weckten in den Langenbergern ihre Cowboy- und Rockabillyseelen. Das ist Thomas Anzenhofer mit seiner sonoren Stimme und seinen Boys, die sich selber „Sue“ nennen, bravourös gelungen.

WAZ | 18.06.2018 | Thomas Höveler